Ja, ich will.


Star Trek Girl. Nuff said. Gefunden irgendwo in der Treksoup/.



WikiLeaks und das Kurzzeitgedächtnis von Presse und Öffentlichkeit

Unzählige Dokumente hätten das Licht der Öffentlichkeit nur sehr spät zu sehen bekommen, wäre da nicht WikiLeaks, dieses subversive Projekt zweier Hacker, deren Arbeit ihnen zu weltweitem Ruhm verholfen hat. Doch dieser Weg war steinig. Daniel Domscheit-Berg, ehemaliger Sprecher des Whistleblower-Projekts, jetzt Mitgründer eines ähnlichen Projekts mit dem Namen OpenLeaks, wäscht in seinem Buch über die „gefährlichste Webseite“ der Welt die dreckige Wäsche der vergangenen 3 Jahre. Anfangs missachtet, von der Presse nicht für voll genommen, passten sich Julian Assange und sein Mitstreiter den Gepflogenheiten der Journalisten an. Fragen zur Plattform möglichst technisch beantworten, war eine der Devisen.

Eine weitere Unart tat sich aber erst nach Veröffentlichung des Collateral Murder-Videos auf: Die Tendenz, die eigenen Leaks in ihrem Wert zu überschätzen.[1][2] Obwohl Julian Assange auch heute auf die Frage nach anstehenden Veröffentlichungen stets das Mantra herunterbetet, keine Leaks voranzukündigen, um den Betroffenen nicht die Möglichkeit zu geben, sich darauf vorzubereiten, wurde unentwegt darüber gesprochen, welche Asse man noch im Ärmel hat. 2009, pünktlich zu Weihnachten, ging WikiLeaks medienwirksam vom Netz. Spenden mussten her, das Projekt drohte sonst finanziell zu scheitern. Um zu betonen, wie wichtig WikiLeaks ist, wurde das Wiki abgeschaltet und stattdessen begrüßte ein Spendenaufruf die Besucher von wikileaks.org. Aus angekündigten 2 Wochen wurden etwa 6 Monate Wiki-Downtime. Während dieser Zeit hielten Julian Assange und Daniel Schmitt, wie er sich damals nannte, einige Reden vor laufender Kamera, traten auf Konferenzen auf, betrieben Lobbyarbeit für ihr Projekt und rissen an, welche Informationen sich noch auf ihren Servern befänden. Jetzt liege es an den Spendern, die nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen um WikiLeaks wieder durchstarten zu lassen.

Noch vor Collateral Murder im April stellte Julian Assange die Behauptung an, Dokumente über korrupte Banken und geheime Dokumente über China und die UN zu besitzen. Im gleichen Atemzug nannte er auch Informationen über den Irak, bei denen es sich um die Iraq War Logs handeln dürfte, die im August vergangenen Jahres veröffentlicht wurden. Dokumente über die UN oder China wurden bis heute nicht publiziert. Im Küchenradio[3] kündigte Daniel Domscheit-Berg den Leak von 37000 Emails der NPD an. Man sollte lange Zeit nichts mehr von diesen Emails hören, bis die Emails im Januar 2011 auch anderen Quellen zugespielt wurden.[4][5] Die Original-Dokumente wurden weder vom Spiegel, der ARD noch von WikiLeaks veröffentlicht.

Im Juni kündigte Assange an, ein Video von einem Luftangriff beim afghanischen Garani zu besitzen.[6] Ein Video, das zeigen soll, wie Zivilisten bei einem amerikanischen Luftangriff ums Leben kamen. Bis heute fand diese Aufnahme nicht ihren Weg auf die Enthüllungplattform und damit an die Öffentlichkeit. Julian Assange wurde auch nie wieder dazu befragt. Daniel Domscheit-Berg erwähnte das Video ebenfalls in einem Interview mit der Springerpresse.[7]

Auch er wurde damit nicht mehr konfrontiert, nachdem das Interesse an von US-Helikoptern niedergeschossenen irakischen Zivilisten und Reuters-Journalisten abgeklungen war. Ebenfalls im Juni 2010 sprach Julian Assange in einem Interview von einer an Echelon erinnernden Massenüberwachung, die er anhand von Dokumenten belegen wollte.[8] Man kann es vielleicht ahnen: Nachgehakt wurde nicht, obwohl die Aussage bald vor einem Jahr getätigt wurde. Auch in einer Auflistung von WikiLeaks-Veröffentlichungen der deutschen Wikipedia[6] ist von dieser kryptischen Ankündigung keine Rede. Die 15000 zurückgehaltenen Berichte aus Afghanistan sind bis heute gleichermaßen unveröffentlicht.

Inmitten des Trubels um die Kriegsberichte über Afghanistan und den Irak hieß es, WikiLeaks würde sich Russland zuwenden.[9] Es wurden einige Russland-Experten über den potenziellen Impact befragt, danach verstummte jedwede Berichterstattung über den Teaser-Leak zu Gunsten von Cablegate und den Vorwürfen gegen Assange, ohne Verhütung mit zwei Schwedinnen geschlafen zu haben.

In einem Interview mit Forbes[1] nahm Assange eine nicht näher spezifizierte amerikanische Bank ins Visier. Gerüchten zufolge soll WikiLeaks im Besitz einer kopierten Partition eines ranghohen Bank of America-Angestellten sein. Von einem Leak „Anfang 2011“ war die Rede. Doch wieder einmal kam es zu „Verzögerungen“, diesmal in Form einer Pressekonferenz mit Julian Assange und dem ehemaligen Julias Bär-Angestellten Rudolf Elmer.[10] Übergeben wurden WikiLeaks zwei CDs, die Kontodaten von reichen Steuerhinterziehern enthalten sollen. Die Analyse dieser CDs soll laut WikiLeaks Priorität haben, wodurch der Banken-Leak auf Eis liegen soll.

Es stimmt traurig, live zu mit zu erleben, wie Journalisten ihren Job konsequent ignorieren und wie wir alle dem kollektiven Vergessen erliegen, uns von all dem Drumherum davon ablenken lassen, was WikiLeaks noch zu bieten hat, sich nun aber darüber ausschweigt und zwei ehemals gute Freunde ihre Anwälte vor Gericht entscheiden lassen müssen, wer ein Anrecht auf noch nicht veröffentlichtes Material hat.

Ergänzungen, Kritik, Richtigstellung editiere ich gerne nach.

Bei Twitter hüllt sich WikiLeaks erwartungsgemäß in Schweigen.

[1] http://blogs.forbes.com/andygreenberg/2010/11/29/an-interview-with-wikileaks-julian-assange/
[2] https://twitter.com/#!/wikileaks/status/6581472060252160
[3] https://twitter.com/#!/wikileaks/status/11297255152
[4] http://www.tagesschau.de/inland/nazileaks100.html
[5] http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,745040,00.html
[6] https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Ver%C3%B6ffentlichungen_von_WikiLeaks#Luftangriff_bei_Garani
[7] http://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article7214769/Wikileaks-will-sein-eigenes-Geheimnis-lueften.html
[8] http://www.abc.net.au/news/stories/2010/06/22/2933892.htm
[9] http://www.tagesspiegel.de/politik/assange-kuendigt-enthuellungen-ueber-russland-an/3590642.html
[10] http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,740018,00.html



Rechtsicherheit von offenen WiFi-Netzen (Update)

Ich würde anderen gerne meinen Anschluss daheim bereitstellen, indem ich hier ein Gastnetzwerk einrichte, in das man sich kostenfrei einbuchen kann, um ins Netz zu kommen, wann immer man will. Mein ins Netz verbindendes Endgerät kennt sogar diese vom Rest meines Netzwerks isolierte Gast-Funktionalität, so dass ich nichtmal Gefahr laufe, dass ein weniger netter Nutznießer meinen Traffic mitschneiden könnte. Die fehlende Rechtssicherheit hält mich davon ab, dies zu aktivieren, genau wie sie mich davon abhält, einen Tor-Exitnode zu betreiben. Es mag in den meisten Fällen gar nichts passieren, Ausnahmen bereiten vielleicht ein wenig Stress und Arbeit, doch wenn es hart auf hart kommt, flattert hier ein Schrieb von jemandem ein, der aus dem verkorksten, überholten Vertriebsmodell der Content-Industrie ein Geschäftsmodell gemacht hat und mir ans Leder will, weil ich als Mitstörer hafte. Das kann ich mir nicht leisten.

Eine ePetition im Petitionsportal des Bundestags nimmt sich dessen gerade an und es wäre immens nützlich, wenn sich ausreichend Personen finden, die sich bereiterklären, die Petitions ebenfalls mitzuzeichnen. Spätestens, wenn ihr irgendwann einmal in einer fremden Stadt seid und zu einer ungewöhnlichen Uhrzeit ganz dringend mal ins Netz müsst und ein offenes Wireless-Netzwerk seht, lohnt sich das ganze doch schon, oder?

Update: Weil’s sich durchaus falsch interpretieren lässt, will ich klarstellen, dass ich nicht beurteilen kann, inwieweit die Rechtssicherheit von freiem WLAN auch Exitnode-Betreibern helfen könnte.



27C3: Tag 4

Tag 4:

Mein Wecker sollte um 10:15 schellen. Hat er wohl auch, nur habe ich davon nichts mitbekommen, so dass mich Gerrit um 11:40 nochmal darauf hinweisen musste, dass es klug wäre, jetzt mal aufzustehen, weil wir in 20 Minuten auschecken müssten. Auf die Frage, warum ihm das erst jetzt auffällt und der Hinweis so kurz vor knapp kommt, hieß es, er habe mich da im 20-Minuten-Takt auf dem Laufenden gehalten. Oh.

Schnell unter die Dusche, umgezogen, die genervten Blicke von den Hotel-Angestellten ertragen, als ich um 12:05 immer noch nicht ganz fertig war. Tut mir ja Leid, wirklich. :-)

Mit dem Auto haben wir dann noch schnell in der Hasenheide einen Kaffee getrunken und gefrühstückt. Leider konnten wir nicht lange im BCC bleiben, weil Dorfhuhn noch eine etwa sechstündige Fahrt vor sich hatte. Es reichte zeitlich also noch so gerade für den Vortrag über Traffic-Analyse- und Monitoring-Appliances, die gestackt Terabit(!)-Traffic analysieren können – in Echtzeit. Füttert man die Dinger mit einer Liste von Mail-Adressen schneiden die fleissig sämtlichen Mailverkehr von gelisteten Personen mit – zu bequem, für meinen Geschmack. Mit einem SSL-Terminator, z.B. für’s Loadbalancing, führt das auch SSL ad absurdum, wenn der ISP sowohl die Anbindung als auch den Mailserver kontrolliert, dann terminiert die SSL-Verschlüsselung nämlich einfach und die Netzwerk-Tap-Blackbox snifft den Traffic nach erfolter Entschlüsselung mit, ohne dass dem Nutzer das auffallen könnte. Das macht ganz deutlich: Richtet eure eigenen Mailserver ein, verlasst euch nicht auf irgendwelche multi-redundanten Mailcluster von großen ISPs – schon gar nicht, wenn ihr SSL aus Naivität heraus für “sicher genug” haltet und kein PGP/GPG verwendet. Die Crypto bringt nichts, wenn der SSL-Traffic Provider-seitig schon vor der eigentlichen Kommunikation mit dem Mailserver den Traffic entschlüsselt wird. Der Sprecher beschrieb dann noch die Web-Interfaces der einzelnen Appliances, die alle nicht sonderlich sicher seien und rief dazu auf, eventuell eingetragene Blacklisten unter keinen Umständenabzugreifen (und wohl auch zu veröffentlichen!), wenn man Zugriff darauf hat. Sowas macht man einfach nicht. :-)

Allgemein scheinen die Web-Zugänge zu diesen System nicht sonderlich sicher zu sein, so dass er auch dazu riet, nicht zu gucken, wie man solche Systeme findet, um sich daran auszutoben. :-)

Kurzfristig wurde ein Talk zu OpenLeaks, dem Whistleblowing-Projekt vom ehemaligen WikiLeaks-Sprecher Daniel Domscheit-Berg anberaumt. Leider befanden wir uns da bereits auf dem Rückweg. Der Versuch, die Slides mit Audio auf der Autobahn über eine zwischen GPRS und UMTS fluktuierende Verbindung zu gucken, war nicht von Erfolg gekrönt, weil der Stream ständig abbrach, wenn das entknastete iPhone seine Funkzelle wechselte.

Der Chaos Communication Congress wird jedenfalls zu einer Pflichtveranstaltung. Dieses Jahr, wir schreiben mittlerweile 2011, werde ich mich aber bemühen, nicht wieder irgendwelche hoch interessanten Vorträge zu verschlafen.



27C3: Tag 3 (Update)

Zu meiner Schande muss ich gestehen, schon wieder verschlafen zu haben. Ich hing gestern noch bis 6 Uhr im Café und meine Berichte der letzten beiden Tage zuende geschrieben und ein bisschen an meinem Server gespielt, so dass ich heute erst gegen 12 auf den Beinen. Effektiv war der CCC-Jahresrückblick um 11:30 damit für mich gelaufen. Den hätte ich gerne gesehen. Ich muss wirklich viel zu viel als Stream-Aufnahme nachholen, was im Nachhinein einfach schade ist. Mal hoffen, dass ich das morgen mache. (Update: Habe ich nicht nicht. Mehr dazu bei Tag 4.)

In Saal 1 haben die Overfl0w-Leute den Homebrew-Status von Konsolen aufgezeigt und vorgestellt, wie sie die PS3 dazu gebracht haben, ihren Code auszuführen, weil sie den Private Key von Sony berechnen konnten. Ich habe kein großes Interesse an Konsolen, das war aber wirklich interessant. Daniel Domscheit-Berg, ehemaliger Sprecher von WikiLeaks hat eine viertel Stunde später IMMI vorgestellt, die Islandic Modern Media Initiative, die Island zur Datenschweiz machen soll. Bei den Fragen und Antworten ging’s dann aber doch zentral um WikiLeaks und OpenLeaks. Was mich an Daniel so fasziniert ist dieses sehr ehrlich wirkende Unbehagen, wenn ihm applaudiert wird und er daraufhin sagt, dass er das gar nicht verdiene, sondern die vielen Mitarbeiter von OpenLeaks. Er ist kein zweiter Assange und das ist gut so.

Im Nachhinein bereue ich es sehr, mir um 18:30 nicht den INDECT-Talk angesehen zu haben. Via Twitter habe ich mitbekommen, dass da ein INDECT-Beteiligter Fragen beantwortet hat und sich über all die Gefahren von INDECT nicht wirklich bewusst zu sein. Das sei alles nicht schlimm.

Erst sah alles danach aus, als wäre Saal 1 mal wieder überfüllt, als ich mit dem Dorfhuhn gegen 20:15 vor dem Eingang stand, um “Chip and PIN is broken” von Steven Murdoch anzusehen. Nach kurzer Diskussion mit den gestressten aber dennoch freundlichen CERT-Leuten ließen sie dann doch noc 10 Leute rein. Banken berufen sich bei Disputen um nicht vom Kontoinhaber authorisierte Buchungen auf die Sicherheit ihres Chip-Systems, um den Kunden das Geld nicht zurückzahlen zu müssen. Wie sich herausstellt, ist das erlogener Blödsinn. Mit einem Kamera-Team vom, ich glaube es war der BBC, haben sie nachgewiesen, dass sie mit einer gefälschten Karte einkaufen können, indem sie dem Terminal sagen, man sei dazu authorisiert worden. Ich stecke da nicht so wirklich drin, das ist eher das Metier vom Dorfhuhn. Vielleicht schreibt der dazu noch was unter dorfhuhn.de. Die Banken wissen jedenfalls seit Herbst 2009 davon und haben in einer Pressemitteilung wenige Monate später verlauten lassen, dass sei alles nur theoretisch möglich und praktisch nicht umsetzbar, weil die Technik dafür nicht ausreichend kompakt gebaut werden kann. Weil Murdoch zuvor aber ein Device gezeigt hat, das nicht viel größer als zwei Kippenschachteln ist, sorgte das für jede Menge Gelächter im Saal. Ein Student hat dazu auch noch was geschrieben, was die Banken zensieren lassen wollten. Die Antwort vom Security-Expterten Ross Anderson von der Universität Cambridge wurde auszugsweise vorgelesen. Nachlesen lässt sich das hier: http://www.cl.cam.ac.uk/~rja14/Papers/ukca.pdf

Für Gelächter sorgte dann wieder der Download-Graph, der kurz nach dem Zensur-Versuch der Banken einen ziemlichen Peak zeigte. Gab es vor der Veröffentlichung des Antwort-Schreibens nur etwa 50 Downloads am Tag, schnellte die Zahl rapide nach oben, nachdem Slashdot und Reddit darüber berichtet haben. Hach. :-)

Ohne einen vernünftigen Platz wuselte ich dann durch den Saal, in der Hoffnung, noch einen Stuhl zu ergattern, aber das war erwartungsgemäß nicht so einfach, weil Fefe und Frank die Fnord News Show abhielten. Das will nunmal jeder sehen. Einzelfälle jetzt herauszupicken ist eigentlich sinnlos. Schaut euch einfach die Aufnahme an, sobald sie verfügbar ist, das lohnt sich schon für die wirklich grausigen Bilder von der Clinton.

Dummerweise musste ich danach dringend Mate entsorgen – und als ich wieder hoch wollte, war der Saal natürlich völlig überfüllt, weil das Hacker Jeopardy auf dem Plan stand. Fuck. Frustriert bin ich mit dem Dorfhuhn dann zu McDonalds, weil wir das Auto ohnehin aus dem Parkhaus holen mussten, das um 0 Uhr die Pforten schliesst. Mein Vorschlag, noch kurz in die c-base zu fahren kam gut an, so dass wir da noch eine Mate getrunken haben und letztendlich bis halb drei da blieben. Die haben da einen runden Firefox-Tisch. Geil!

Gegen drei waren wir im Hotel, wo ich noch ein bisschen über den Hotspot online war und mir was zu DNSCurve durchgelesen habe. Zu lange, wie sich morgens herausstellen sollte.

Update: Ist ein bisschen untergegangen hier. Der Bericht für den 4. Tag folgt noch, auch wenn wir schon relativ früh abfahren mussten. Die unzähligen Typos in den bereits veröffentlichen Berichten werden in Kürze gefixt.



27C3: Tag 2

Tag 2:

Bis 11 geschlafen, schnell unter die Dusche, dann im Alexa Asia-Fastfood gefuttert und erst gegen 13 Uhr beim BCC eingeschlagen und der erste interessante Vortrag zum distribuierten Knacken von Crypto-Algorithmen verpasst. Gut, dass es die Stream-Aufnahmen gibt. Gilt auch für den BitTorrent-Vortrag “Lying to the Neighbors”. Der GSM-Sniffing-Talk war überfült – tolle Wurst. Also ab ins Hackcenter, freien Platz erkämpft und das etwas wirr laufende OpenVPN gefixt. Den Service nach jedem Disconnect einmal durchzustarten war auf Dauer keine Lösung. Von der Electronig Frontier Foundation gab’s dann eine Fortsetzung von den Ergebnisen des SSL Observatory. Die haben einfach alle öffentlichen Ranges gescannt, verfügbare SSL-Zertifikate geladen, daraus eine Datenbank gestrickt und das analysiert. Angefangen hat das ja auf der Defcon 18 dieses Jahr. Die Ergebnisse waren erwartungsgemäß katastrophal. Wir werden per default erstmal dazu genötigt, viel zu vielen CAs zu vertrauen, die wiederrum wieder CA-Fähigkeiten vererben – sogar völlig undursichtig über Intermediate-CAs, denen Firefox und IE nur vertrauen, wenn man vorher bestimmte Seiten mit bestimmter CA besucht hat. Katastrophal. Man muss sich wirklich anstrengen, den Vortrag vor lauter Fazialpalmierung zu verfolgen. Der letzte Schrei sind ja die Extended Validation-Zertifikate, die für teures Geld grüne Balken in den Adresszeilen darstellen. Die CAs gehen da ähnlich umsichtig mit ihrer Verantwortung um, wie bei den normalen Zertifikaten. Wieder landen sinnlose Bezeichnungen anstatt FQDN in der Common Name-Zeile, wieder wurden Zertifikate auf private IP-Adressen ausgestellt und besonders amüsant und traurig zugleich war dann ein vor 3 Monaten ausgestelltes 512bit-EV mit einer Gültigkeit bis 2012, obwohl dieses Jahr bereits von der Ausstellung von 1024bittigen Zertifikaten abgeraten wird. Fefe basht diesen ganzen SSL-Snakeoil-Dreck wirklich nicht ohne Grund. An sich reicht da ein Blick auf die Übersicht aller CAs und deren Ursprünge, um mit dem Kopf in Richtung der nächten Wand zu marschieren.

Zeitlich ist der Fahrplan dann etwas durcheinander geraten. Ich weß aber, dass ich noch rund 90% vom Vortrag über Netzmedienrecht, Lobbyismus und Korruption mitbekommen habe. Das war spannend und konzentrierte sich vor allem auf die Verflechtungen von Bertelsmann, die ihre Hand u.a. bei Studiengebühren und Hartz IV im Spiel hatten – um dann z.B. Kindern aus Hartz IV-Familien Online-Nachhilfe anzubieten, wenn die sich keine richtige Nachhilfe mehr leisten können. Das Bachelor-/Master-Studiensystem kam auch nicht gut weg.

Unter dem Titel “High-speed high-security cryptography: encrypting and authenticating the whole Internet” präsentierte Kryptografie-Experte und Qmail-Autor Daniel Bergstein die Probleme von DNSSEC und und stellte ein System vor, das über Public-Keys im Domainnamen, z.B. als CNAME und auf den Clients generiertem Private Key Crypto ohne großartigen Overhead ermöglichen soll. Statt DNSSEC setzt er auf DNScurve, das DoS-Attacken erschwert und die Probleme von DNSSEC umgeht. Seine Lösung verschlüsselt im Handumdrehen den gesamten Netzverkehr auf Public-Key-Basis mit elliptischen Kurven als Cypher. Die zusätzliche Verschlüsselung addiert bei einer aktuellen CPU eine zusätzliche Load von ca. 0.15 und soll sich daher auch auf großen Seiten wie Google umsetzen lassen, ohne deren Server abrauchen zu lassen. Er hat das bereits software-seitig umgesetzt, so dass man das auch selbst implementieren kann, ohne dass die bestehende Infrastruktur (Firewall, DNS, Browser, Webserver, etc) Anpassung bedürfen. Ich befürchte, das wird daran scheitern, dass es einfach keine Verbreitung finden wird. Das ist schade.

“Data Recovery Techniques” wäre auch interessant gewesen, aber da war der Hunger schlichtweg zu groß und der Saal nach verspeister Pizza bereits geschlossen. Bei Twitter hieß es aber, es sei völlig nutzlos, Daten mehr als einmal zu überschreiben, um sie unwiederherstellbar zu löschen. Da entbrennen ja immer mal wieder die Streits, was da bei magnetischen Laufwerken nun dran ist. Der Vortrag wird auf jeden Fall nochmal als Aufnahme angeschaut.

23 Uhr – und leider der letzte Vortrag am Dienstag: “The importance of resisting Excessive Government Surveillance” von Nicholas Merrill, der in den frühen Neunzigern einen Internet Service Provider gegründet hat. Nach den Anschlägen auf das World Trade Center begann die große Terrorpanik und damit verbunden eine Vielzahl von Überwachungsmaßnahmen. Anfänglich etwas zurückhaltend berichtet er von einem FBI-Agenten, der ihn telefonisch darauf hinweist, dass er in Kürze einen National Security Letter erhalten würde. Das hielt er natürlich erst für einen Scherz – wer hätte schon damit gerechnet, dass wenige Tage später tatsächlich jemand vom FBI vor der Tür steht und ihm diesen ominösen NSL unter die Nase hält, der keine richterliche Unterschrift enthält und ihm gleichzeitig verbietet, auch nur ein Wort über den Erhalt dieser Anweisung zu verlieren. Es ging speziell um einen Kunden, über den er eine unbekannte Menge an Informationen sammeln sollte, um diese dem FBI mitzuteilen. Bis heute darf er nicht über diese Details berichten. Erst seit Mitte dieses Jahres wird es ihm gestattet, überhaupt ein Wort über diesen National Security Letter zu verlieren. Vorher musste er jahrelang seine Frau, seine Freunde, seine Kunden und Kollegen belügen. Kurz nach Erhalt der NSL-Anweisungen wandte er sich entgegen des Verbots an die amerikanische Bürgerrechtsvereingung ACLU, um gerichtlich dagegen vorzugehen. Selbst die ACLU hatte bis dahin noch nie von diesen Briefen gehört, so dass sich Merrill und die ACLU-Anwälte in völlig unbekannten Gewässern bewegten: Er lege sich mit dem “National Security Staat” an, was neben Gefängnisstrafen auch erheblichen Druck auf ihn ausüben könne. Trotz dieser Ungewissheit zog er von Gericht zu Gericht. Dass in den USA geheime Beweise, die nur der Richter zu sehen bekommt zulässig sind, war mir jedenfalls neu. Ich muss mal recherchieren, ob das auch in Deutschland möglich ist. Für ihn gab’s – völlig zu Recht – stehende Ovationen, was wohl zuletzt bei WikiLeaks bzw. Julian Assange der Fall war.