Unzählige Dokumente hätten das Licht der Öffentlichkeit nur sehr spät zu sehen bekommen, wäre da nicht WikiLeaks, dieses subversive Projekt zweier Hacker, deren Arbeit ihnen zu weltweitem Ruhm verholfen hat. Doch dieser Weg war steinig. Daniel Domscheit-Berg, ehemaliger Sprecher des Whistleblower-Projekts, jetzt Mitgründer eines ähnlichen Projekts mit dem Namen OpenLeaks, wäscht in seinem Buch über die „gefährlichste Webseite“ der Welt die dreckige Wäsche der vergangenen 3 Jahre. Anfangs missachtet, von der Presse nicht für voll genommen, passten sich Julian Assange und sein Mitstreiter den Gepflogenheiten der Journalisten an. Fragen zur Plattform möglichst technisch beantworten, war eine der Devisen.
Eine weitere Unart tat sich aber erst nach Veröffentlichung des Collateral Murder-Videos auf: Die Tendenz, die eigenen Leaks in ihrem Wert zu überschätzen.[1][2] Obwohl Julian Assange auch heute auf die Frage nach anstehenden Veröffentlichungen stets das Mantra herunterbetet, keine Leaks voranzukündigen, um den Betroffenen nicht die Möglichkeit zu geben, sich darauf vorzubereiten, wurde unentwegt darüber gesprochen, welche Asse man noch im Ärmel hat. 2009, pünktlich zu Weihnachten, ging WikiLeaks medienwirksam vom Netz. Spenden mussten her, das Projekt drohte sonst finanziell zu scheitern. Um zu betonen, wie wichtig WikiLeaks ist, wurde das Wiki abgeschaltet und stattdessen begrüßte ein Spendenaufruf die Besucher von wikileaks.org. Aus angekündigten 2 Wochen wurden etwa 6 Monate Wiki-Downtime. Während dieser Zeit hielten Julian Assange und Daniel Schmitt, wie er sich damals nannte, einige Reden vor laufender Kamera, traten auf Konferenzen auf, betrieben Lobbyarbeit für ihr Projekt und rissen an, welche Informationen sich noch auf ihren Servern befänden. Jetzt liege es an den Spendern, die nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen um WikiLeaks wieder durchstarten zu lassen.
Noch vor Collateral Murder im April stellte Julian Assange die Behauptung an, Dokumente über korrupte Banken und geheime Dokumente über China und die UN zu besitzen. Im gleichen Atemzug nannte er auch Informationen über den Irak, bei denen es sich um die Iraq War Logs handeln dürfte, die im August vergangenen Jahres veröffentlicht wurden. Dokumente über die UN oder China wurden bis heute nicht publiziert. Im Küchenradio[3] kündigte Daniel Domscheit-Berg den Leak von 37000 Emails der NPD an. Man sollte lange Zeit nichts mehr von diesen Emails hören, bis die Emails im Januar 2011 auch anderen Quellen zugespielt wurden.[4][5] Die Original-Dokumente wurden weder vom Spiegel, der ARD noch von WikiLeaks veröffentlicht.
Im Juni kündigte Assange an, ein Video von einem Luftangriff beim afghanischen Garani zu besitzen.[6] Ein Video, das zeigen soll, wie Zivilisten bei einem amerikanischen Luftangriff ums Leben kamen. Bis heute fand diese Aufnahme nicht ihren Weg auf die Enthüllungplattform und damit an die Öffentlichkeit. Julian Assange wurde auch nie wieder dazu befragt. Daniel Domscheit-Berg erwähnte das Video ebenfalls in einem Interview mit der Springerpresse.[7]
Auch er wurde damit nicht mehr konfrontiert, nachdem das Interesse an von US-Helikoptern niedergeschossenen irakischen Zivilisten und Reuters-Journalisten abgeklungen war. Ebenfalls im Juni 2010 sprach Julian Assange in einem Interview von einer an Echelon erinnernden Massenüberwachung, die er anhand von Dokumenten belegen wollte.[8] Man kann es vielleicht ahnen: Nachgehakt wurde nicht, obwohl die Aussage bald vor einem Jahr getätigt wurde. Auch in einer Auflistung von WikiLeaks-Veröffentlichungen der deutschen Wikipedia[6] ist von dieser kryptischen Ankündigung keine Rede. Die 15000 zurückgehaltenen Berichte aus Afghanistan sind bis heute gleichermaßen unveröffentlicht.
Inmitten des Trubels um die Kriegsberichte über Afghanistan und den Irak hieß es, WikiLeaks würde sich Russland zuwenden.[9] Es wurden einige Russland-Experten über den potenziellen Impact befragt, danach verstummte jedwede Berichterstattung über den Teaser-Leak zu Gunsten von Cablegate und den Vorwürfen gegen Assange, ohne Verhütung mit zwei Schwedinnen geschlafen zu haben.
In einem Interview mit Forbes[1] nahm Assange eine nicht näher spezifizierte amerikanische Bank ins Visier. Gerüchten zufolge soll WikiLeaks im Besitz einer kopierten Partition eines ranghohen Bank of America-Angestellten sein. Von einem Leak „Anfang 2011“ war die Rede. Doch wieder einmal kam es zu „Verzögerungen“, diesmal in Form einer Pressekonferenz mit Julian Assange und dem ehemaligen Julias Bär-Angestellten Rudolf Elmer.[10] Übergeben wurden WikiLeaks zwei CDs, die Kontodaten von reichen Steuerhinterziehern enthalten sollen. Die Analyse dieser CDs soll laut WikiLeaks Priorität haben, wodurch der Banken-Leak auf Eis liegen soll.
Es stimmt traurig, live zu mit zu erleben, wie Journalisten ihren Job konsequent ignorieren und wie wir alle dem kollektiven Vergessen erliegen, uns von all dem Drumherum davon ablenken lassen, was WikiLeaks noch zu bieten hat, sich nun aber darüber ausschweigt und zwei ehemals gute Freunde ihre Anwälte vor Gericht entscheiden lassen müssen, wer ein Anrecht auf noch nicht veröffentlichtes Material hat.
Ergänzungen, Kritik, Richtigstellung editiere ich gerne nach.
Bei Twitter hüllt sich WikiLeaks erwartungsgemäß in Schweigen.
[1] http://blogs.forbes.com/andygreenberg/2010/11/29/an-interview-with-wikileaks-julian-assange/
[2] https://twitter.com/#!/wikileaks/status/6581472060252160
[3] https://twitter.com/#!/wikileaks/status/11297255152
[4] http://www.tagesschau.de/inland/nazileaks100.html
[5] http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,745040,00.html
[6] https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Ver%C3%B6ffentlichungen_von_WikiLeaks#Luftangriff_bei_Garani
[7] http://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article7214769/Wikileaks-will-sein-eigenes-Geheimnis-lueften.html
[8] http://www.abc.net.au/news/stories/2010/06/22/2933892.htm
[9] http://www.tagesspiegel.de/politik/assange-kuendigt-enthuellungen-ueber-russland-an/3590642.html
[10] http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,740018,00.html
Es ist schon komisch ruhig geworden um Wikileaks und Julian Assange. Könnte natürlich auch sein, dass da im Background einge Deals abgelaufen sind. Geld, Straffreiheit bei der Vergewaltigungsgeschichte, einen gewissen Status, wie ihn nur Staaten verleihen können, wer weiss? Auf jeden Fall fällt auf, dass nach dem anfänglichen weltweiten Hype, der seinesgleichen suchte, nunmehr gegen Null tendiert. Grüße aus Berlin
Es ist schon komisch ruhig geworden um Wikileaks und Julian Assange. Könnte natürlich auch sein, dass da im Background einge Deals abgelaufen sind. Geld, Straffreiheit bei der Vergewaltigungsgeschichte, einen gewissen Status, wie ihn nur Staaten verleihen können, wer weiss? Auf jeden Fall fällt auf, dass nach dem anfänglichen weltweiten Hype, der seinesgleichen suchte, nunmehr gegen Null tendiert. Grüße aus Berlin
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